3.4 Massnahmen und Strategien

Unterstützung von Young Carers im Schweizer Gesundheits- und Sozialsystem


Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, Young Carers zu unterstützen: entweder direkt über Unterstützungsangebote wie Informationen, praktische Alltagshilfen und Beratungen oder indirekt über Leistungen an die unterstützte Person bzw. das gesamte Familiensystem (Leu et al., 2018a; Lux & Eggert, 2017; Clay, et al., 2016, Kavanaugh et al., 2015; Ali et al., 2013). Young Carers in der Schweiz äussern den Wunsch nach mehr Akzeptanz durch Fachpersonen (Leu et al., 2018b). Gemäss Cassidy et al. (2014) wirken sich Wertschätzung und Anerkennung für die geleistete Unterstützung stressmindernd auf Young Carers aus.

     Damit Young Carers wahrgenommen werden, muss die Öffentlichkeit sensibilisiert werden. Nur so lassen sich erfolgreich Hilfs- und Unterstützungsmassnahmen anstossen (Leu et al., 2018a; Leu & Becker, 2017a, 2017b; Szafran et al., 2016).


Nationale Strategien und Unterstützungsangebote


Neben der Umsetzung des Aktionsplans «Unterstützung für betreuende und pflegende Angehörige» (Schweizerischer Bundesrat, 2014) lancierte der Bund, 2016 das Förderprogramm «Entlastungsangebote für betreuende Angehörige 2017–2020» im Rahmen der Fachkräfteinitiative. Ziel des Programms ist es innerhalb von vier Jahren praxisnahe Grundlagen für die Weiterentwicklung von Entlastungsangeboten zu erarbeiten. Sowohl bei den Forschungsmandaten2 als auch bei den Dokumentationen von Modellen guter Praxis sind Kinder und Jugendliche sowie junge Erwachsene eine angemessen berücksichtige Altersgruppe von betreuenden Angehörigen.3

     Die bestehenden Angebote für betreuende Angehörige sind aber mehrheitlich auf Erwachsene im Erwerbsalter oder nach der Pensionierung ausgerichtet. Das BAG offeriert seit 2017 die Möglichkeit, mittels einer Suchmaske überregional nach Projekten, Angeboten und Massnahmen mit Vorbildcharakter zur Unterstützung von betreuenden Angehörigen zu suchen. Angebote für Kinder und Jugendliche können am besten über den Interventionsbereich (z. B. Schule) gesucht werden. Eine Sortierung nach Alter der betreuenden Angehörigen ist jedoch nicht möglich.

     Hinweise auf die aktuelle Unterstützungspraxis liefern die Ergebnisse eines SNF-Forschungsprojekts4, bei dem Fachpersonen aus den Bereichen Schule, Gesundheit und Soziales schweizweit danach befragt wurden, an welche Organisationen sie Young Carers in ihrer beruflichen Tätigkeit vermitteln können. Die von den Fachpersonen genannten Organisationen (z. B. Dienste für Kinder, Jugendliche und Familien) waren solche, deren Unterstützungsangebote nicht spezifisch auf die Situation der Young Carers ausgerichtet sind. Solche Angebote gibt es in der Schweiz noch kaum.

     In Deutschland, Österreich und Italien lassen sich bereits Unterstützungsangebote spezifisch für diese Zielgruppe finden. So können sich Betroffene auf der Website von Young Carers Deutschland 5, Superhands6 und Giovani Caregiver 7 informieren und gelangen so zu Unterstützungsangeboten, beispielsweise in Form von Beratung und Begleitung (Patenschaft). In Grossbritannien stehen Young Carers und ihren Familien eine Vielzahl von spezifischen Unterstützungsangeboten zur Verfügung. Ist eine Person von einer Krankheit, einem Unfall oder einer Beeinträchtigung betroffen, wird durch ein Assessment systematisch erhoben, welche Personen Unterstützung leisten. Diese Identifizierung ermöglicht es, dass Unterstützungsangebote durch Fachpersonen entweder direkt für die erkrankte Person (als Entlastung für die betreuenden Angehörigen) oder für Young Carers selbst angeboten werden können. Zudem existieren über 350 Young-Carers-Projekte im ganzen Land, wo sich Betroffene mit Peers und Fachpersonen austauschen und an Freizeitaktivitäten, Schulungen oder Coachings teilnehmen können. Zusätzlich existieren viele Angebote im schulischen Bereich8, die sich sowohl an Young Carers als auch an Fachpersonen richten. So stehen Fachpersonen beispielsweise eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Unterstützung von Young Carers in der Schule zur Verfügung sowie Aufklärungsmaterial wie Webinare, Videos und Fallstudien. Zusätzlich werden auf die Schulen zugeschnittene Schulprogramme angeboten, ebenso Young Carers Awards.